Fachgruppentagung: Ein starkes Handwerk, viele gemeinsame Ziele

Das Schweizerhaus im Wiener Prater bot auch heuer am 8. Oktober den Rahmen für die Herbst-Fachgruppentagung der Wiener Tischler und Holzgestalter. Innungsmeister Ludwig Weichinger-Hieden begrüßte die anwesenden Mitglieder und gab einen Überblick über die zahlreichen Aktivitäten der Innung, aktuelle Herausforderungen und kommende Veranstaltungen. Neben Informationen aus der Landes- und Bundesinnung standen vor allem die Aus- und Weiterbildung, der Austausch innerhalb der Branche und die Förderung des Nachwuchses im Mittelpunkt.
Den Auftakt machte ein Rückblick auf die erfolgreiche Beteiligung der Wiener Tischler und Holzgestalter an der Wohnen & Interieur 2026. Auch im kommenden Jahr wird die Innung mit einem Gemeinschaftsstand auf der Messe vom 10. bis 14. März 2027 vertreten sein. Für interessierte Betriebe gibt es noch zwei freie Kojen zum Preis von jeweils 2.000 Euro.

Positiv fiel auch die Bilanz des Sommerfestes aus, bei dem zahlreiche neue und junge Tischler:innen dabei waren. Die Veranstaltung hat sich als beliebter Treffpunkt etabliert und soll 2027 erneut im Wake Up stattfinden.
Personelle Veränderungen gibt es im Innungsteam: Elisabeth Hircic hat das Team verlassen, Fahnenträger Lukas Dorn erhält Unterstützung durch seinen neuen Stellvertreter Martin Policzek.

Eine besondere Herausforderung wartet 2028 auf die Wiener Innung: Dann wird der Bundeslehrlingswettbewerb in Wien ausgetragen. Die Vorbereitungen für die Großveranstaltung sind umfangreich. Allein zum Festabend werden rund 450 Gäste erwartet, zur Lehrlingsvorstellung rund 300 Personen. Von der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten bis zur Organisation des Wettbewerbs gibt es viel zu tun. Ludiwg Weichinger-Hieden rief daher die Mitglieder auf, sich aktiv einzubringen und bei der Vorbereitung und Durchführung mitzuhelfen.

Weiterbildung und Austausch im Mittelpunkt
Ein wichtiger Schwerpunkt der Innungsarbeit bleibt die Aus- und Weiterbildung, die über den Verein der Wiener Tischler organisiert wird. Es wurde wieder ein umfangreiches Programm mit rund zehn Seminaren und Schulungen zusammengestellt. Dazu gehören unter anderem Erste-Hilfe-Kurse, Catch-up-Angebote und Schulungen rund um Maco-Fensterbeschläge.
Auch die regelmäßigen Tischlerstammtische werden fortgesetzt. Sie bieten neben dem persönlichen Austausch kurze Fachvorträge zu unterschiedlichen Themen. Auf dem Programm stehen beispielsweise Sicherheitsunterweisungen, Digitalisierung und Betriebsnachfolge. Auch Organisationen wie die AUVA sollen Gelegenheit erhalten, ihre Leistungen vorzustellen. Weichinger-Hieden appellierte an die Mitglieder, diese Angebote zu nutzen. Schließlich bieten die Treffen nicht nur fachliche Informationen, sondern auch die Gelegenheit, Kolleginnen und Kollegen kennenzulernen und Erfahrungen auszutauschen. Weiterhin zur Verfügung steht die kostenlose juristische Erstberatung für Innungsmitglieder, die regelmäßig am ersten Mittwoch im Monat angeboten wird.

Nachwuchs zeigt sein Können
Wie viel Können und Kreativität im Tischlernachwuchs steckt, zeigte einmal mehr die Meisterstückpräsentation im September. Weichinger-Hieden zeigte sich von den Arbeiten beeindruckt: „Mir fehlen die Worte bei manchen Stücken.“ Besonders die technischen Raffinessen und außergewöhnlichen Detaillösungen hätten ihn begeistert. Obwohl er seit Jahren glaube, dass das handwerklich Machbare irgendwann ein Plateau erreichen müsse, werde er jedes Jahr aufs Neue eines Besseren belehrt.
Über den Nachwuchs berichtete auch Lehrlingsbeauftragter Christian Vetö. Er blickte auf den Bundeslehrlingswettbewerb 2026 in Graz zurück, bei dem die Wiener Teilnehmer diesmal weniger erfolgreich abschnitten. Eine wesentliche Änderung der Teilnahmebedingungen spielte dabei eine Rolle: Erstmals waren nur Lehrlinge aus Mitgliedsbetrieben zugelassen, während Teilnehmer aus überbetrieblichen Lehrwerkstätten nicht antreten konnten. Der Blick richtet sich bereits auf den nächsten Landeslehrlingswettbewerb. Die Vorrunde findet am 9. April 2027, das Finale am 23. April 2027 statt.

Frauen im Handwerk stärker vernetzen
Franziska Brugger stellte das Tischlerinnen-Netzwerk vor, das vor rund vier bis fünf Jahren gegründet wurde. Es versteht sich als offene Plattform für Frauen im Tischlerhandwerk, die sich gegenseitig unterstützen, Erfahrungen austauschen und Kontakte knüpfen möchten. Die Treffen finden in unregelmäßigen Abständen statt. Darüber hinaus bietet das Netzwerk eine Anlaufstelle für Frauen, die bereits im Handwerk tätig sind oder sich für eine Ausbildung interessieren. Im Vordergrund stehen der persönliche Austausch, gegenseitige Unterstützung und ein stärkerer Zusammenhalt unter den Tischlerinnen.

Aktuelle Themen aus der Interessenvertretung
Andreas Distel, Berufsgruppenobmann der Tischler, informierte über seine Arbeit im Normenwesen und in der Schlichtungsstelle. Dabei ging es unter anderem um Höhenbezugspunkte und die bevorstehende Überarbeitung der OIB-Richtlinien. Auch das Vierländertreffen, Fragen der Betriebsübergabe und die gemeinsame Nutzung von Betriebsanlagen durch mehrere Unternehmen waren Themen seines Berichts.
Weitere Überlegungen betrafen Benchmarking-Möglichkeiten für Tischler, Holzgestalter und Ein-Personen-Unternehmen sowie die Frage, wie Informationen über das Tischlerhandwerk besser vermittelt werden können. Für das Thema Betriebsübergabe und gemeinsame Betriebsanlagen wurde auch ein eigener Stammtisch angedacht.

Vielfalt der Holzgestalter sichtbar machen
Den Bericht der Holzgestalter übernahm Weichinger-Hieden stellvertretend für Ronald Gollner, Berufsgruppenobmann der Holzgestalter. Ein Schwerpunkt liegt auf der Überarbeitung der Inhalte für die Holzgestalter auf der Website der Landesinnung. Texte, Bilder und Dokumente sollen aktualisiert werden, um die Vielfalt der vertretenen Berufe besser darzustellen.
Eine wichtige Rolle spielen dabei auch die Branchentreffen, die direkt in den Betrieben stattfinden. Den Auftakt bildete am 23. September ein Treffen bei badalasticker.com. Weitere Treffen sollen folgen und Gelegenheit bieten, unterschiedliche Gewerke und ihre Arbeitsweisen kennenzulernen.
Zur Sprache kamen außerdem Fragen rund um den Gewerbewortlaut, die geringe Zahl an Anmeldungen zur Lehrabschlussprüfung in der Bildhauerei sowie das Spielzeugforum Austria. Auch der Digitale Produktpass und damit verbundene Informationen der Bundesinnung wurden angesprochen. Die Vorbereitungen für die Wohnen & Interieur 2027 laufen ebenfalls bereits.

Solide Finanzen und unveränderte Grundumlage
Geschäftsführerin Martina Gössinger präsentierte den Finanzbericht der Innung. Die finanzielle Entwicklung ist erfreulich: Es wurde gut gewirtschaftet, für das Jahr 2026 werden keine Verluste erwartet. Die anwesenden Mitglieder stimmten außerdem darüber ab, die Grundumlage für 2027 unverändert zu belassen. Eine Erhöhung ist somit nicht vorgesehen.

Gut informiert und miteinander verbunden
Wie vielfältig die Kommunikationsaktivitäten der Innung mittlerweile sind, zeigte ein weiterer Bericht von Innungsmeister Ludwig Weichinger-Hieden. Neben dem Mitgliedermagazin Holzplus und dem wöchentlichen Newsletter der Wirtschaftskammer verwies er auf den WhatsApp-Kanal der Innung, über den Mitglieder aktuelle Informationen und Termine direkt auf ihr Smartphone erhalten. Auch die humorvoll gestalteten Werbekarten, mit denen die Innung ihre Leistungen und Angebote präsentiert, wurden vorgestellt. Ziel aller Maßnahmen ist es, die Mitglieder möglichst umfassend zu informieren und die Angebote der Innung stärker ins Bewusstsein zu rücken.

Ehrungen als Höhepunkt des Abends
Zum feierlichen Teil der Fachgruppentagung gehörte die Ehrung der neuen Jungmeisterinnen und Jungmeister. Sie erhielten ihre Meisterurkunden und die Standesnadeln als sichtbares Zeichen ihrer Qualifikation und Zugehörigkeit zum Meisterstand. Herzlichen Glückwunsch an:

Bernhard Dellinger
Dorothea Fahrwald
Marie-Christine Lassnig 
Andreas Luger
Leo Mitterdorfer
Johannes Paltram
Stefan Ramsonius
Fabio Spink
Sebastian Teltschik

Ein besonderer Höhepunkt war die Verleihung des Goldenen Hobels, der höchsten Auszeichnung der Wiener Tischler und Holzgestalter. Mit Andreas Distel und Helmut Klar wurden zwei Persönlichkeiten geehrt, die sich seit vielen Jahren mit großem Engagement für die Interessen ihrer Kolleginnen und Kollegen einsetzen. Beide haben die Arbeit der Innung über viele Jahre mitgestaltet, sich für die Anliegen der Betriebe starkgemacht und den Zusammenhalt innerhalb der Branche gefördert. Mit dem Goldenen Hobel würdigte die Innung ihren außergewöhnlichen persönlichen Einsatz.

Nach dem offiziellen Programm blieb noch ausreichend Zeit für persönliche Gespräche. Bei gutem Essen, Getränken und in geselliger Oktoberfeststimmung klang die Fachgruppentagung im Schweizerhaus aus. Ein Abend, der einmal mehr zeigte, wie wichtig neben der Interessenvertretung auch der persönliche Austausch und das Miteinander innerhalb des Handwerks sind.

Fotos: Max Slovenik