Matthias Fellinger und Raphael Rauchlechner von der Sarafelli OG

Wir denken Einrichtung immer als Ganzes – mit Farben, Licht und Atmosphäre.

Vom Kanu zur Design-Tischlerei

Wer die Viktor-Christ-Gasse im fünften Bezirk entlanggeht, vermutet im Hinterhaus eines Wohngebäudes wohl kaum eine Tischlerei. Noch weniger erwartet man dort Designmöbel, elegante Leuchten und ein hölzernes Kanu, das unter der Decke hängt. Und das ist weit mehr als ein Dekorationsstück – es ist der Ursprung der außergewöhnlichen Unternehmensgeschichte der Sarafelli OG. Zwischen Hobelbänken, Holzstapeln und Maschinen arbeiten Raphael Rauchlechner und Matthias Fellinger konzentriert an einem neuen Möbelstück. Im angrenzenden Schauraum stehen Sideboards, Hocker und spezielle Lampen. Alles wirkt klar, reduziert und bis ins Detail durchdacht.Dass die beiden heute Tischlermeister sind, war allerdings alles andere als geplant.„Ich bin eigentlich Spanisch-Professor“, erzählt Raphael lachend. Matthias ist gelernter Sportgerätetechniker. Kennengelernt haben sie sich bei Studentenjobs als Dekorateure.Dann kam die Idee mit dem Kanu.„Ich wollte unbedingt die Donau bis zum Schwarzen Meer paddeln“, erinnert sich Raphael. Ein passendes Boot konnten sich die Studenten nicht leisten. In einer Bibliothek fand er stattdessen ein Buch mit dem Titel ‚Die Kunst, ein Kanu zu bauen‘.„Ich habe Matthias gefragt: Baust du mit?“Also bauten sie und paddelten anschließend tatsächlich mit ihrem selbstgebauten Kanu bis ans Schwarze Meer.

Aus Treibholz werden Designlampen

Von der Reise brachten die beiden nicht nur unvergessliche Erinnerungen mit, sondern auch einen Haufen Treibholz.„Wir haben uns gefragt: Was machen wir jetzt damit?“Die Antwort: Lampen. Erst für die eigene Wohnung, später für Freunde. Die Nachfrage wuchs. Es folgten erste Designmessen und schließlich der Entschluss, Tischler zu werden. Vorher mussten beide noch die Meisterprüfung absolvieren.Das Kanu war die beste Referenz für die Zulassung. Heute fertigen sie neben ihren charakteristischen Leuchten auch Sideboards, Esstische, Sitzbänke, Schrankräume, aber auch ganze Inneneinrichtungen nach Maß.

Eine Handschrift aus Holz

Was Sarafelli von vielen anderen Tischlereien unterscheidet, ist die Verbindung aus Design und Handwerk. Die Jahre als Dekorateure prägen ihre Arbeit bis heute.„Wir denken Einrichtung immer als Ganzes – mit Farben, Licht und Atmosphäre.“Typisch für ihre Möbel sind filigrane Holzleisten, die sich wie ein roter Faden durch viele Entwürfe ziehen. Sie verleihen den Möbeln Leichtigkeit und schaffen einen hohen Wiedererkennungswert.„Unser Ziel ist, dass jemand ein Möbel sieht und sagt: Das ist ein Sarafelli.“Dabei spielt Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle. Verarbeitet wird fast ausschließlich heimisches Holz, vor allem Eiche. Manchmal sogar aus dem eigenen Familienwald.Selbst kleinste Holzreste finden noch Verwendung. Aus ihnen entstehen Intarsien oder die kleinsten Lampenmodelle.„Am Ende bleibt fast nichts übrig – außer ein paar Spänen.“

Lernen durch Ausprobieren

Viele ihrer Techniken haben sich die beiden selbst erarbeitet. Besonders das Biegen von Holz entstand nach dem Prinzip ‚Trial-and-Error‘.„Die ersten zwanzig Lampen zeigen wir lieber niemandem“, sagt Raphael und lacht. Der Austausch mit anderen Tischlern hilft zusätzlich. Konkurrenzdenken kennen die beiden kaum.„Wenn wir bei Treppen nicht weiterwissen, rufen wir jemanden an, der darauf spezialisiert ist. Dafür helfen wir anderen bei Lichtkonzepten. Dieses Miteinander ist etwas Besonderes.“

Jeder Tag bringt eine neue Idee

Stillstand scheint es bei Sarafelli nicht zu geben. Während Raphael die Abwechslung liebt, tüftelt Matthias oft bis spät in die Nacht an neuen Konstruktionen.„Manchmal wache ich mit einer Idee auf und muss sie erst fertig denken, bevor ich wieder schlafen kann.“Die Entwicklung der vergangenen Jahre bestätigt beide in ihrem Weg.„Wenn wir uns die ersten Möbel anschauen und sie mit den heutigen vergleichen, dann liegen Welten dazwischen.“Unddas nächste Ziel ist bereits klar formuliert.„Vielleicht kauft sich irgendwann jemand nicht mehr einen Thonet-Stuhl, sondern eine Sarafelli-Lampe.“

Sarafelli OG

Matthias Fellinger und Raphael Rauchlechner

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